Frage der Woche: Kann ich meine Liebe retten?

frage der woche liebe retten

Foto: iStock

 

Wie geht man mit Liebeskummer um?

Jede Woche beantwortet Chef-Astrologe und Diplom-Psychologe Erich Bauer eine Frage aus astrologischer Sicht. Dieses Mal: Kann ich meine Liebe retten?

"Mein Partner hat mich verlassen. Kommt er wieder zurück?" Mit dieser Frage wird jeder Astrologe am häufigsten aufgesucht.

Es ist eine Frage, deren Ursprung fast immer tiefste Verzweiflung ist: Ein Mann hat seine Frau verlassen, eine Frau hat ihren Freund verlassen – und jetzt bleibt ein Mensch zurück und versteht die Welt nicht mehr. Sein Denken kreist nur um die eine Frage, wann sie wieder zusammenfinden. Seine Gefühle ähneln einer schlimmen Krankheit, die den ganzen Körper befallen hat. Begleitet wird dieser Zustand von Appetitlosigkeit und schlechtem Schlaf, und wenn man endlich einen Schlaf findet, fällt man, wenn man aufwacht, in einen tiefen Abgrund. Liebeskummer ist fürchterlich.

Eine Statistik besagt, dass die häufigste Ursache für einen SuizidLiebeskummer ist. Man springt von Hochhäusern, von Brücken, wirft sich vor den Zug, schneidet sich die Pulsadern auf – aber dies alles scheint nicht so schlimm zu sein wie der Schmerz, ohne seine Geliebte, seinen Geliebten leben zu müssen.

Dabei ist es aus einer sachlichen Sichtweise gang und gäbe, dass man irgendwann verlassen wird. Es gehört sozusagen zu einem normalen Lebenslauf. Der bringt jeden Menschen irgendwann in die Situation, dass er verlassen wird. Und dass die Trennung furchtbar leidvoll ist, ist genauso „normal“.

Trennungsschmerz tut weh, aber norma­lerweise kann man damit fertig werden. Es gehört eben zum Leben, so wie auch eine Geburt furchtbar schmerzhaft sein kann und sogar die Behandlung beim Zahnarzt.

Wird man mit einer Trennung nicht fertig, stimmt etwas nicht. Die Psychoanalyse hat dafür auch eine Erklärung. Sie lautet folgendermaßen: Derjenige, der verlassen wird, regrediert, d. h. fällt durch die Zeit zurück, bis er einen Zustand erreicht, als er vielleicht drei oder maximal vier Jahre alt war.

In dieser Zeit macht nämlich jedes Kind eine schlimme Erfahrung. Es muss sich mit der Tatsache auseinandersetzen, dass seine Mutter bzw. sein Vater nicht ausschließlich es, das Kind, liebt, sondern jemand anderen bevorzugt, nämlich Papa oder Mama. Anders gesagt: Papa und Mama bilden ein Bündnis und das Kind gehört nicht dazu.

Diese schmerzvolle Erfahrung kann der Seele des Kindes dermaßen heftig zusetzen, dass die Wunde niemals ganz heilt, sondern verkrustet ins Unterbewusstsein verschoben wird. Wenn man dann viele Jahre später wieder verlassen wird, platzt in der Seele genau diese Wunde und ist dann wieder so frisch wie damals, ja noch viel offener, denn als Erwachsener kann man den Schmerz noch viel intensiver auskosten als damals, als man ein Kind war.

Es ist also aus psychoanalytischer Sicht so, dass ein Mensch, der unter Trennungsschmerz leidet, in Wirklichkeit darunter leidet, dass sein Papa bzw. seine Mama nicht ausschließlich für ihn da ist. Die Psychoanalyse bearbeitet dann auch dieses alte Trauma und nicht das aktuelle und versucht es aufzulösen.

Wie? Zunächst einmal, indem sie dem Menschen, der jetzt eigentlich wieder ein Kind ist, viel Verständnis entgegenbringt. Dabei ist es besonders wichtig, dass der Zorn, der damals darüber ausbrach, dass ein Elternteil sich versperrte, ausgelebt werden darf. Das ist wichtig.

Wenn ein Mensch leidet, weil sein geliebter Partner ihn verlassen hat, ist das Leid eigentlich auch Ausdruck einer Wut. Damals, als Kind, musste der bzw. die kleine also nicht nur den Schmerz verdrängen, sondern auch die fürchterliche Wut auf Vater bzw. Mutter. Wenn dann später dieser schlimmer Trennungsschmerz auftritt, ist darin auch immer Wut enthalten, und diese Wut gilt eigentlich dem Vater oder der Mutter.

Noch wichtiger bei einer therapeutischen Intervention ist aber, klarzumachen, dass jemand die Liebe seines Partners sowie damals die Liebe seiner Eltern verloren hat, aber niemals die Liebe an sich. Liebe ist nicht an einen bestimmten Menschen gebunden, sondern ist eine universelle Kraft ­– die größte Kraft überhaupt. Man kann sie daher überall wiederfinden und bekommen. Sie ging weder damals mit der Mutter oder dem Vater verloren noch mit dem Partner, der einen verlassen hat.

Der Therapeut hilft also, die Fixierung an die Eltern aufzulösen.

Gibt es trotzdem den Fall, dass man wieder zusammenfindet, nach­dem eine Liebe auseinander­gebrochen ist? Unter 100 vielleicht einen. Das ist der Lauf der Dinge. Wir alle sollen diese Erfahrung machen, dass Liebe nicht an einen bestimmten Menschen gebunden ist, sondern ein Geschenk des Himmels ist.

Copyright 2017 astrowoche.de. All rights reserved.